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Einengung des Lumen, Stenose?

Kategorie: Innere Medizin » Expertenrat Innere Medizin | Expertenfrage

21.09.1999 | 01:09 Uhr

Beschwerdebild;
nur noch kleinere Stuhlmengen, dafür
häufigerer Tonus, zumeist im Zusammen-
fall mit nervlicher Belastung, Streß,
indirekte Angstsymptomatik, Gefühl sich
nicht mehr auf seinen Körper verlassen
zu können. Manchmal auch faserige Auflagerungen,Schleim u. Flüssigkeit, stetes rektales Engegefühl, bei Eigenab-
tastung eine Art Ring tastbar /wie eine
Art Verschlußmechanismus welcher sich nicht mehr öffnet. Es bestehen innere
Hämorrhoidalschwellungen und eine Fissur,manchmal Entzündung, letzte Gastroenterologische Untersuchung 6/98.
Nichts hilft,gibt es etwas was den Darm
beruhigt, den Tonus herabsetzt, die Mißempfindungen lindert oder beseitigt
und die Stuhlmenge normalisiert, so daß
sich ein anhaltendes Entleerungsgefühl
einstellt ? An manchen Tagen ist alles fast normal und kaum bis keine Begleiterscheinungen spürbar, nur der Stuhl bleibt Knollig bis Stückhaft und im Umfang reduziert, manchmal aufgelockert, habe bereits vieles versucht und diverse Medikamente verordnet bekommen, auch Bachblüten, Homöopathie und Akkupunktur ohne nennenswerte Erfolge probiert, kann vielleicht eine Hypnose helfen und meine
innere Spannung auflösen, so daß sich die Körperfunktionen wieder harmonisieren ?
Oder liegt gar eine irreversible Stenose
vor ? Bin seit 1994 in Behandlung, wurde
eine Colitis festgestellt (ulcerosa), wobei
sich die Pathologen jedoch uneins waren, typische Symptome fehlen, bislang kein Anhalt für Malignität.
Können Sie mir einen verwertbaren Rat geben ?

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21.09.1999, 10:09 Uhr
Antwort

Hallo!
Die Aufzählung Ihrer Beschwerden und Befunde ist einfach chaotisch. Ich glaube, daß Ihre Angst vor problemen sich auch die Ärzte überträgt und zu einer unangebrachten Diagnosewut führt , um hnen endlich etwas zu helfen.
1. Eine Colitis ulcerosa ist nie maligne Maligne = bösartig sind Tumore, eine Colitis ist kein Tumor sindern eine chronische Darmentzündung, deren Ursache nicht bekant ist, die aber durch Cortison und Salazosulfapyridin gut behandelbar ist. Diese Krankheit ist eindeutig und zweifelsfrei mit Darmspiegelung und Probenahme nachzuweisen oder auszuschließen. Entweder Sie haben sie oder nicht, dann sollte auch entsprechend behandelt werden oder nicht. Der Facharzt ist der Internist mit Zusatz Gastroenterologie.
2.Einen engen Ring spürt jeder im Darm, das muß so sein, das ist der Ringmuskel, der hilft gegen Inkontinenz. Psychisch angespannte Menschen können einen erhöhten Tonus haben. den Tonus kann der Gastroenterologe mit entsprechendem gerät messen. Falls er dauerhaft zu hoch ist können auch chirurgische Maßnahmen erwogen werden.
3. Weder Hämorrhoiden, die allgegenwärtig sind noch Fissuren, die ebenfalls allgegenwärtig sind erklären Ihr Problem.
4. Ihre Schilderung der Beschwerden spricht für ein Reizdarmsydrom, ein funktionelles Problem des Darmes, welches keine Gefahr darstellt, sich aber durch die psychische Dauerbeschäftigung mit dem Problem verfestigt, vermehrte Arztbesuche führen zu Verlegenheitsdiagnosen, die die Angst und zunehmende Beschwerdefixierung noch verstärken. Hilfreich ist ausschließlich eine Psychotherapie u.U. mit Kombination von Reflextherapeutischen Maßnahmen wie Fußreflexzonenmasssage, Bindegewebsmasssage und zusätzliche Entspannungstechniken, eine regelmäßige Ernährung mit naturbelassener ballaststoffreicher vorwiegend vegetarischer Kost und regelmäßger Sport, z.B. Walking oder Jogging. Evtl. wäre eine Heilverfahren sinnvoll , um eine Umpolung zu erreichen. Dies können Sie bei Krankenkasse oder rentenersicherung beantragen.
Mit Gruß
Dr. Sylvia Meske
Theresienklinik für orthopädische Rehabilitation Bad Krozingen

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22.09.1999, 11:09 Uhr
Antwort

Sehr geehrte Fr. Dr. Meske,
vorab vielen Dank für Ihre zeitnahe Stellungnahme. Seitens meines Gastroenterologen lautet die Diagnose
Colitis ulcerosa, der Pathologe welcher die Gewebeproben untersuchte sprach hingegen von einem Verdacht auf
eine Colitis ulcerosa, wollte sich nicht eindeutig festlegen; Colonschleimhaut zeigt eine stark endzündliche Auflockerung des Interstitiums mit dichter lymphoplasma-
zellulärer Entzündung des Stromas u. Nachweis einzelner eosinophiler Granulo-
zyten, stellenweise Destruktion der Colonkrypten sichtbar, herdförmig auch eine Aufsplitterung der Muscularis mucosae. Beurteilung: Schwere chronische
und gering aktive Colitis mit umschriebener Kryptendestruktion, kein Anhalt für Malignität, wenngleich typische Kryptenabszesse nicht nachweisbar waren, ist der Befund verdächtig auf das Vorliegen einer Colitis ulcerosa, Epitheloidzellige Granulome fanden sich nicht (28.06.94)
Gleicher Pathologe am 11.04.97;
Oberflächig erkennt man ein isomorphes, basal scharf begrenztes Zylinderepithel
ohneDysplasien, dichtes endzündliches gemischtzelliges Infiltrat im Interstitium, sowie stark erweiterte blutgefüllte Kapillaren. Daneben ein deutliches Ödem, die Krypten zeigen stellenweise eine diskrete endzündliche Auflockerung der auskleidendenn Epithelien, in der PAS-Reaktion kein Hinweis auf atypische schleimbildende Zellelemente. An einer Stelle ist das Oberflächenepithel abgelöst und von einem schmalen Fibrinschorf ersetzt, die Krypten zeigen eine deutliche villöse Oberfläche (ICD-K 52.9) Beurteilung; Stärkergradige partiell exulcerierende Colitis mit Kryptendestruktionen u. villöser Oberfläche, die histomorphologische Befundkonstellation spricht für eine Colitis ulcerosa.
Über ein Jahr lang wurde ich mit hochdosiertem Decortin und Salofalk behandelt,nach anfänglicher Besserung war die medikation nachfolgend wirkungslos. Der Arzt drohte an starke
Beruhigungsmittel zu verordnen und zusätzliche Cortisoneinläufe, desweitren sollte ich Imodium nehmen, die würden die Begleiterscheinungen beheben. Ich hatte und habe keine Durchfälle,benannte wechselnde Konsistenz, Schleim-u. Flüssigkeitaabsonderungen, vermehrt Luft, überstarkes Mißempfinden, Unterscheidungsangst ob nur Luft oder tatsächlich Stuhldrang,tritt auf wenn das Telefon klingelt, ich die Absicht habe die Wohnung zu verlassen oder gerade dann, wenn ich unterwegs bin und keine Toilette in der Nähe ist, dann überkommt mich Panik und äußerst starke
Mißempfindungen. Ich bemühe mich und übe tgl. das Verlassen der Wohnung und Wegfahrt mit dem Auto, manchmal klappts aber meistens nicht.
Ist das bedenklich, wenn sich der Darm anhaltend derart zusammenzieht und das Stuhlvolumen daher eher gering ist ?
Ich leide sehr unter diesem Beschwerdebild,habe auch schon traditionelle chinesische medizin probiert auch Einzelgesprächssitzungen
bei einem Psychotherapeuten (Std-Satz 156,80 DM) welcher überhaupt nichts sagte und später dann meinte, ich stünde neben mir und ich solle Pillen nehmen und Arbeiten gehen!!
Das war dann das Ende der Therapie!
Was meines Sie, kann mir z.B. eine Hypnose meine eigene Zwangshaltung und die Angst nehmen, so daß ich wieder etwas freier werde ? Ich bin so verunsichert, der eine sagt es ist eine Colitis ulcerosa, der andere spricht von einer Colika mukosa od. Reizdarmsyndrom, ich weiß um die psychische Komponente, dennoch brauche ich eine wirksame Hilfestellung auf der Körperebene, für eine nochmalige Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Mit freundlichem Gruß G.D.

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22.09.1999, 20:09 Uhr
Antwort

Hallo G.D.!
Die Histologische Befundung ist für mich ebenso wie für Ihren Gastroenterologen beweisend für eine Colitis ulceroosa. Der Histologe ist in der Wortwahl immer vorsichtig, wenn er gut ist, denn die klinische Diagnose wird aus mehreren Faktoren zusätzlich zur Histologie gestellt.
Die ypnose könnte durchaus hilfreich sein, aber es wäre wieder eine teure Behandlung, die die Kasse nicht zahlen muß. Zusammenhänge von Psyche und Colitis sind sehr häufig. Daher ist eine Psychotherapie drchaus sinnvoll, der Kommentar Ihres Psychotherapeuten beweist allerdings wohl kaum Behandlungsgeschick und Menschenführung. Wenn es mit einfachen Ratschlägen getan wäre, bräuchte es keine Psychotherapie.
Die Colitis kann übrigens auch abheilen oder es kann aus dem Entzündungsstadium, welches auf Cortison und Salofalk anspricht ein Narbenstadium werden mit einer Art Verödung der Darmschleimhaut, dann ist die Medikation nicht hiilfreich, Sie haben dennoch Verdauungsprobleme. Da die Angelegenheit schon länger läuft rate ich zur Kontrollcoloscopie mit Histologie um die Veränderung zu sehen und die Therapie daran auszurichten. Wo kein Durchfall ist benötigt man allerdings kein Imodium, Cortisoneinläufe sind nichts zum Androhen sondern sehr hilfreich bei entzündlichen Veränderungen vor allem des Enddarmes. Beruhigungsmittel würde ich auch nicht empfehlen, da sie höchstens das Problem kaschieren. Hilfreich gegen die Funktionsstörungen sind Darmbewegungsregulierende Medikamente wie Duspatal, sprechen Sie Ihren Arzt doch mal darauf an. Empfehlen würde ich die Beantragung eines Heilverfahrens in einer gastroenterologischen Rehaklinik. Dort erhalten Sie gleichzeitig Psychotherapie, Schulung, Reflexmassagen, beruhigende Physiotherapie, z.B. Colonmassage usw. Vielleicht bringt das den Durchbruch.
Herzliche Grüße
Dr. Sylvia Meske

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