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Reaktive Arthritis durch Chlamydien?

Kategorie: Knochen-Gelenke » Expertenrat Gelenkbeschwerden/Rheuma | Expertenfrage

02.05.2006 | 09:50 Uhr

Sehr geehrte Experten
Ich wende mich an Sie um mehr über meine Erkrankung zu erfahren.Dies wird eine etwas längere Geschichte was aber zum näheren Verständniss beitragen kann.Also ganz von vorn.Im Mai letzten Jahres wurde ich gegen Tetanus und Diphtherie geimpft.Am 23.6. gegen FSME und hatte 2 Tage zuvor einen Zeckenbiss.Keine Antikörper gegen Borellien.2.Impfung am24.8.Zwischen beiden Impfungen hatte ich eine Angina Tons. welche mit Antibio.und Penecellin behandelt wurde.Nach Abklingen der Angina stellte sich bei mir ein starkes Unwohlsein über den Nieren ein kombiniert mit allgemeiner Schwäche.Nach mehrmaligen Besuch beim Hausarzt begann am 4.10 ein Ziehen an der rechten seitlichen Ferse.Kurze Zeit später ein Kribbeln in der Harnröhre.Dazu sei zu erwähnen, daß ich im Juni nach 4 jähriger sexueller Apstinenz ungeschützten Verkehr hatte.Dann bin ich zum Urologen gegangen welcher die Prostata abtastete und die Nieren untersuchte,ohne Befund.Es wurde keine Blutuntersuchung unternommen.Urinprobe ja.Mitte Oktober wurde mein Ejakulat erst rötlich ,dann gelblich.Laut Arzt kein Erbebniss,also keine Medikamente.Das laufen viel mir immer schwerer ,durch das Ziehen in der Ferse.Am 4.11 wurde ich mit akuter Epididymitis ins KH eingeliefert.Die Untersuchung ergab Chlamydien T.Infektion.Dann erfolgreiche Behandlung mit Augmentan.Die Schwellung ging zurück.Die Fersenschmerzen blieben und die Rückenbeschwerden wurden stärker.Seitdem nehme ich Voltaren R.Die Beschwerden wurden stärker so kam ich anfang Januar wieder ins KH.Dort tiefgreifende Blutuntersuchung.HLAB27 pos.
Interleukin12,6 CRP 32,4mg/l und Rh. faktor<10.Bin nun bei Rheumatologen und Behandlung mit Prednisolon.Dosis war 40mg 20mg 10mg 7,5 und jetzt bei 5mg.Seit Januar ist auch mein linkes Sprunggelenk ,Sehnen- ansätze,ISG und einzelne Ansätze an den Wirbeln entzündet.Dazu kam eine Balanitis und Sicca syndrom rechtes Auge aber kein Hinweis auf Morbus Reiter.Ich habe nun im Rücken starke Verspannungen und fühle mich sehr schlapp und die Psyche ist am Abgrund angelangt. So fertig:)
Nun meine Fragen .Kann das eine reaktive Arthritis sein?Sind Heilungschancen da?Welche Medikation ist möglich?Ist eine Verbesserung des Allgemeinzustandes möglich?Bestehen Möglichkeiten an Studien teilzunehmen?Ich habe auch seit Erkrankungsbeginn Haut- veränderungen an beiden Unterschenkeln.Ähnlich Psoriasis ,ist aber rückläufig und fast verschwunden.
Chlamydien Titer momentan 1:16.Bekomme vom
Urologen des Krankenhauses gerade Doxiciclin.
Vielen Dank,daß sie sich für die Probleme Zeit nehmen und verbleibe mit freundlichen Grüßen
S.

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05.05.2006, 10:42 Uhr
Antwort

Hallo S.,,

Ihre Beschwerden passen sehr gut zum Krankheitsbild der
Spondyloarthritis, soweit ich das email-technisch aufgrund Ihrer
Schilderung beurteilen kann. Die Reaktive Arthritis ist eine Unterform
der Spondyloarthritis und es ist in der Tat sehr gut möglich, dass all
Ihre rheumatischen Beschwerden durch eine Infektion im Urogenitalbereich
durch eine Chlamydien-Infektione irgendwann in der 2. Hälfte des letzten
Jahres getriggert wurden.

Die Behandlung der rheumatischen Symptome bei Ihnen ist im Prinzip
richtig. Auch die Therapie der Chlamydien-Infektion mit Doxycyclin ist
richtig. Die Antibiotiaka-Therapie sollte über insgesamt 2 Wochen
durchgeführt werden, eine längere Behandlung ist nicht nötig. Sie
sollten aber wissen, dass Sie sich durch Geschlechtsverkehr jedoch
jederzeit neu infizieren können und dann müßte eine erneute
antibiotische Behandlung erfolgen, sofern sich dann Chlamydien im
Harnröhrenabstrich oder im Morgenurin nachweisen lassen. Die
Chlamydien-Antikörperbestimmung braucht nicht zu wiederholt werden, da
der Titer keine neuen Information liefert über das hinaus, was bei Ihnen
schon bekannt ist. Die Titer-Höhe zeigt auch nicht an, ob die
antibiotische Therapie erfolgreich war oder nicht und auch nicht, ob
eine Neuinfektion stattgefunden hat (da ist der direkte Abstrich aus der
Harnröhre besser).

Die akute reaktive Arthritis bessert sich spontan bei den meisten
Patienten innerhalb von ein paar Wochen bis Monaten. Manche Patienten
haben jedoch bis zu einem Jahr (und darüberhinaus) rheumatische
Beschwerden, die aber auch nach dieser relativ langen Zeit immer noch
spontan verschwinden können. Nach all dem zeitlichen Ablauf bei Ihnen
haben Sie also noch gute Chancen, dass alles wieder spontan besser wird
oder auch ganz weggeht. Bei einer relativ kleinen Minderheit von
Patienten kommt es jedoch nicht zur Ausheilung, bei diesen Patienten
bleiben die rheumatischen Beschwerden bestehen. Die Therapie richtet
sich immer nach dem Ausmaß der aktuellen Beschwerden. Wenn die
Beschwerden länger als 6 Monate bestehen, geben viele Rheumatologen (so
auch wir) häufig ein Basismedikament wie z.B. Sulfasalazin oder
Methotrexat zusätzlich. Das sollten Sie mit Ihrem Rheumatologen besprechen.

Viele Grüße
M. Rudwaleit

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05.05.2006, 12:55 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Dr.Rudwaleit!
Recht vielen Dank für ihre beruhigenden Ausführungen.Das weckt in mir doch wieder die Hoffnung auf Genesung und trägt mit Sicherheit zu einem positieveren Denken und somit zu einer Besserung meiner Beschwerden bei.Momentan verspühre ich eine leichte Besserung.Auch in der Nacht bin ich weitestgehend beschwerdefrei.Am Morgen ist mein linkes Sprungelenk fast ohne Schwellungen nur im laufe des Tages bildet sich unter der Fußsohle eine Flüßigkeitsansmmlung welche bei Ruhigstellen langsam verschwindet.Natürlich wird das Gelenk unter der Entzündung gelitten haben oder auch noch leiden und dieses Heilen wird auch seine Zeit in Anspruch nehmen.Etwas Sorge bereitet mir der pos.HLAB 27 Befund welcher ja nun erblich bedingt ist.In meiner Familie ist aber z.B. Morbus Bechterew oder sonstige schwere
rheumatische Erkrankungen nicht bekannt.Kann man über diese Erkrankung am 13. Mai im DRFZ zur Langen Nacht der Wissenschaften mehr erfahren.Ich würde mich sehr dafür interessieren.

Vielen Dank für ihre Bemühung
Mit freundlichen Grüßen S.

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08.05.2006, 10:07 Uhr
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Hallo,

ob HLA-B27 assoziierte Erkrankungen während der langen Nacht der
Wissenschaften im Deutschen Rheumaforschungszentrum (DRFZ) direkt
angesprochen werden, kann ich nicht sagen, da im Gegensatz zu früheren
Jahren ich dieses Jahr an der langen Nacht nicht aktiv mitwirken kann,
da ich zurselben Zeit auf einem anderen Kongress außerhalb Berlins bin.
Es lohnt sich aber trotzdem hinzugehen, da viele interessante und
spannende Aspekte aus der Immunologie und Rheumatologie vorgestellt
werden und sicher wieder eine Menge Ärzte zum Fragen da sein werden.

Bezüglich Ihrer Bedenken der Vererbarkeit möchte ich Ihnen folgende
Zahlen geben: HLA-B27 ist ein Gen, was für sich erst einmal nicht
schlecht ist und wahrscheinlich wichtige Funktionen in der Immunabwehr,
bei z.B. Virusinfektionen (Grippe) hat. In Europa sind zwischen 5 und
10% aller Menschen positiv für HLA-B27, also eine ganz schön große
Anzahl (In Berlin sind etwa 9.3% positiv, d.h. in Berlin leben ca.
300000-320000 HLA-B27 positive Menschen, der Großteil von diesen ist
gesund). Von all den HLA-B27 positiven Menschen werden Zeit Ihres Lebens
etwa nur 5-6% eine Erkrankung erleiden, bei der dieses Gen (HLA-B27)
irgendeine Rolle spielt, z.B. Morbus Bechterew oder auch die reaktive
Arthritis. Warum HLA-B27 zu solchen Krankheiten prädisponiert, verstehen
wir Ärzte und Wissenschaftler bisher noch nicht gut, obgleich dieses
Gebiet schon intensiv beforscht wurde und immer noch beforscht wird. Mit
anderen Worten: 94-95% aller HLA-B27 positiven Menschen bekommen solche
Krankheiten nicht und bleiben diesbezüglich gesund. Ob nun ein HLA-B27
positiver Mensch erkrankt oder nicht, hängt von weiteren (bisher
unbekannten) Genen ab und wahrscheinlich auch von Umweltfaktoren (z.B.
Infektionen), gegen die man sich auch nicht wirklich schützen kann.

Auch der Grad der Vererbung ist nur mäßig groß. Wenn ein Elternteil
HLA-B27 positiv ist, hat das Kind eine etwa 50%ige Chance, selbst B27
positiv zu sein. Ist nun ein Elternteil dieses Kindes an einer HLA-B27
assozierten Erkrankung (z.B. M. Bechterew) erkrankt, so beträgt das
Risiko für das Kind, selbst zu erkranken, etwa 20%. Ist das Kind jedoch
HLA-B27 negativ, so beträgt das Risiko praktisch 0%. Sie sehen, auch
wenn ein gewisses Risiko vorhanden ist, sind 20% doch relativ gering.
Die meisten der HLA-B27 positiven Erkrankungen treten auch spontan auf
(ohne familiäre Häufung) und nur etwa 20-35% aller Patienten haben einen
Verwandten mit einer ähnlichen Erkrankung.

Viele Grüße

M. Rudwaleit

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08.05.2006, 17:11 Uhr
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Sehr geehrter Dr. Rudwaleit!
Vielen Dank für ihre Antworten.Ich hätte nur noch eine allerletzte Frage.Man spricht im Falle einer Heilung von einer spontanen Heilung.Wie ist dies zu verstehen.Ich sags mal so.Abends ins Bett gehen und morgens gesund.Oder wie äußert sich der Heilungsprozess
aus Sicht ihrer Erfahrung.Zwischenzeitlich dachte ich schon es wird besser ,mich durchzieht ein kalter Schauer und man kann faßt zusehen wie die Schwellung verschwindet.Und dann im laufe des Tages nehmen die Symptome wieder zu.Ich denke auch, falls das Immunsystem die Entzündung nicht mehr hervor ruft muß man sicher die Gelenke schonen.Ich merke das beim Achillesansatz welcher nach langerem Laufen mehr schmerzt als vorher.

Vielen Dank
Mit freundlichen Grüßen
S.

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09.05.2006, 11:20 Uhr
Antwort

Hallo,

unter Spontanheilung verstehen wir, dass die Symptome ohne wesentliches
ärztliches Tun von alleine wieder verschwinden. Das hat nichts mit
Geschwindigkeit zu tun. Bei der reaktiven Arthritis ist es eher so, dass
die Symptome und Beschwerden allmählich weniger werden und dann auch
ganz weggehen - dieses dauert aber häufig Wochen bis Monate. Eine
rasante Spontanheilung über Nacht gibt es leider nicht. Bei Ihnen sieht
es so aus, dass schon eine gewisse Besserung eingetreten ist, aber die
Erkrankung schon noch eine gewisse Aktivität aufweist, es also noch eine
Zeitlang dauern kann, bis (hoffentlich) alles verschwindet. Wenn nicht,
noch mal mit Ihrem Rheumatologen reden (wie schon vorher besprochen).

Viele Grüße

M. Rudwaleit

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