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Pannikulitis

Kategorie: Knochen-Gelenke » Expertenrat Gelenkbeschwerden/Rheuma | Expertenfrage

04.03.2008 | 06:48 Uhr

Hallo,
bei einem stationären Krankenhausaufenthalt wurde bei mir jetzt eine Pannikulitis festgestellt! Ein Arzt hatte aber schon vor 3 Jahren eine Lipomatosis dolorosa diagnostiziert. Das sind doch wohl zwei verschiedene Erkrankungen. Die Ärzte im Krankenhaus waren ziemlich geschockt, weil man mir schon öfter Lipome entfernt hat. Nun soll ich mindestens ein Jahr Cortison nehmen. Bin jetzt echt verunsichert ob ich denn überhaupt eine Lipomatosis habe. Laut Histologie waren es nämlich immer Lipome. Bei dem dermatologischem Konsil schrieb man: Lipomatosis dolorosa möglich, klinisch untypisch. Die großen, zum Teil keloidforme Narben ungewöhnlich. Häufig vergesellschaftet mit psychischen Störungen . DD: Schmerzhaftes Lipödem-Syndrom
Können Sie mir das vielleicht genauer erklären? Was meint der Arzt mit häufig vergesellschaftet mit psychischen Störungen? Meint er das vielleicht wegen den großen und vielen Narben??
Ach ja, da steht noch was von: Für das Vorliegen der Pannikulitis sprechen die ausschießenden nodulären Veränderungen im subkutanen Fettgewebe sowie die ausgeprägte Schmerzhaftigkeit der Veränderungen.
LG Simone

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10.03.2008, 09:25 Uhr
Antwort

Hallo Simone!

Ihren Angaben nach scheint die Krankheit immer noch nicht sicher diagnostiziert zu sein, da sind mir zu viele Hinweise auf etwas untypisches.
Prinzipiell gibt es bei Ihnen die Möglichkeit von 3 Krankheitsbildern und es sollte schon vor einer Cortisontherapie eindeutig klar sein, ob Sie entzündliche Veränderungen im Fettgewebe haben oder nicht, sonst ist die Cortisontherapie nicht indiziert und kann mehr schaden als nutzen.

Nun zu den potenziell bei Ihnen möglichen Krankheiten:

1. die Lipomatosis dolorosa dercum: Hier hat man anlagebedingt ein Unterhautfettgewebe, welches verdickt ist und zudem verstärkt Knoten bildet.
Diese Knoten können einerseits schmerzen, wenn sie an ungünstigen Stellen liegen, wie Gürtelbereich, Ellenbogen usw. In diesem Fall muss man sie sogar entfernen, denn der Druck auf die Knoten kann auch zu Nekrosen führen. Die Knoten schmerzen aber auch dadurch, dass sie u.U. nicht genügend durchblutet werden, die Fettzellen wachsen schneller, als die kleinen versorgenden Blutgefäße, auch das kann zu Nekrosen führen und muss dann operativ saniert werden. Knoten, die nicht schmerzen sollte man in Ruhe lassen, denn die Knoten bilden sich erneut und man hat nur Ärger durch Narbenbildung. Leider gibt es bei dieser Erkrankung keine spezifische Therapie außer konsequent das eigene Fettgewebe mit fettarmer und Energie-reduzierter Kost und viel Bewegung lebenslang zu bekämpfen.

2. Sie haben eine Pannikulose: das bedeutet, Ihr Fettgewebe ist normal, sie fühlen einfach nur Schmerz wo keiner sein sollte. Die Pannikulose kann auch Knoten bilden, diese sind aber viel weicher und geringer ausgebildet und in ihrer Zusammensetzung nichts als normales Fettgewebe. Oft ist die Pannikulose mit einer Fibromyalgie, einer generalisierten Muskelschmerzkrankheit verbunden und eben auch mit einem veränderten Schmerzempfinden, z.B. bei Stress, Schlafstörungen, Depressionen usw.. Das ist gemeint mit der psychischen Komponente. Die Pannikulose kann aber körperlich bedingt sein ohne psychische Probleme und einhergehen mit Verklebungen der verschiedenen Unterhautschichten und schlechtem Lymphabfluss, dann hilft eine Lymphdrainage oder andere entstauende Maßnahmen wie Moorbäder, schwimmen.

3. Die Pannikulitis ist eine Entzündung rheumatischer Art des Unterhautgewebes und muß mit entzündungshemmenden Medikamenten wie Cortison behandelt werden.
Die Pannikulitis ist eindeutig nachweisbar durch Entzündungszellen im Gewebe und auch durch Entzündungsreaktion im Bluttest. Ihre Biopsien sollten also schon vor Therapie eindeutig sein, sonst bitten Sie einen Facharzt ( nicht einen jungen Assistenzarzt ) Ihnen Ihre Krankheit an Hand der Befunde eindeutig zu erklären.

Herzliche Grüße
Dr. S. Meske

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13.03.2008, 02:32 Uhr
Antwort

Liebe Fr.Dr.Meske,
vielen lieben Dank für Ihre tollen Informationen. Also, ich habe wie schon gesagt von meinem Neurochirurgen vor 3 Jahren die Diagnose Lipomatosis dolorosa gestellt bekommen. Díe Rheumatologen in der Klinik wo ich war sind aber der Meinung, dass die Lipomatosis angeblich absolut nicht schmerzen kann. Also haben die mir Decortin gegeben. Zuerst habe ich 50mg bekommen, was immer alle 5 Tage reduziert wurde. Ich muß dazu sagen durch das Medikament bin ich körperlich mehr fit und etwas mehr aufgeputscht. Die Ärzte meinen, dass es eine Pannikulitis sein muß, weil sonst das Cortison gar nicht anschlagen würde. Ich selber bin der Meinung, dass die Haut um die Lipome nicht mehr ganz so schmerzempfindlich sind, die Lipome aber selber tun weh. Ich bin mir auch nicht mehr sicher was das noch sein soll. Eine Pannikulose wäre es nicht. Was heisst das Fettgewebe ist hierbei normal?? Würden bei der Pannikulose denn die Knoten von alleine auch wieder weggehen?? Bei mir wurden wie gesagt bei jeder OP Lipome (abgekapselt) festgestellt!! Sind das auch Lipome bei einer Pannikulose?? Ach ja, meine Blutsenkung ist auch immer zu hoch. Als ich noch kein Novalgin genommen habe sogar sehr hoch. Kann denn übrhaupt Novalgin die Blutsenkung beeinflussen?? Wenn nicht habe ich nur eine mittelmäßige Erhöhung. Was kann denn eigentlich passieren, wenn ich jetzt das Cortison zu lange oder überhaupt nehme??
Liebe Grüße
Simone

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14.03.2008, 08:47 Uhr
Antwort

Hallo Simone!

Ich versuche mal Ihre Fragen im einzelnen zu beantworten:

1. Cortison macht immer fitter, fröhlicher und aufgeputscht in höheren Dosen, unabhängig vom Vorhandensein von Entzündung, denn es ist ein fit machendes Körperhormon. Bei zu langer und zu hoher Dosierung kann dieser Effekt aber kippen und in Depression umschlagen.

2. Cortison sollte nach Möglichkeit nicht höher als 5 - 7,5 mg ab dem 2.
Monat der Einnahme genommen werden und das am besten auch nicht dauerhaft, Hormonveränderungen, Knochenschwund, Schlafstörungen, Hautveränderungen, Stoffwechselstörungen können bei Langzeitanwendung drohen. Bei längerer Einnahme muss man daher engmaschig diese Probleme kontrollieren und zudem zumindest einen Knochenschutz betreiben mit Einnahme von 1 g Calcium tgl.

3. Es ist nicht statthaft von positiver Cortisonwirkung auf vorhandene Entzündung zu schließen. ( Wegen des unspezifischen Fitmachereffektes )

4. Die Einnahme von Cortison maskiert Immunreaktionen, daher kann es sein, dass man bei fehlender Diagnose die Ursache einer erhöhten Blutsenkung nicht mehr findet.

5. Meines Wissens nach verändert Novalgin die Blutsenkung nicht, aber Cortison tut dies.

6. Normales Fettgewebe bedeutet, daß man bei Untersuchung nur Fettzellen und Bindegewebszellen findet, aber keine Entzündungszellen.

7. Fettgewebe bildet sich mehr oder weniger immer in durch Bindegwebe gestützten Zellnestern, die bei vermehrtem Wachstum zu schmerzhaften Knoten werden. Die Knoten können schmerzen, weil sie zu groß werden und auch, wenn sie nicht mehr ausreichend durchblutet werden, aber auch eine Pannikulitis kann schmerzen. Vom Schmerz kann man nicht auf die Ursache schließen.

8. Lipome kann es bei Pannikulose geben, muß aber nicht. Pannikulose meint schmerzhaft verdicktes Unterhautgewebe, dabei ist auch immer das Fettgewebe vermehrt, es kommt aber auf die eigenen Gene an, ob man eher flächig verteiltes Fett oder eher große sogar schmerzhafte Lipome, also knotiges Fett entwickelt. Bei der Pannikulose geht man zusätzlich von einem Lymphstau aus, der auch schmerzt.

Herzliche Grüße
Dr. S. Meske

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14.03.2008, 11:57 Uhr
Antwort

Liebe Fr.Dr.Meske,
aber wie kann man denn eine Pannikulose von einer Lipomatosis dolorosa unterscheiden. Gibt es da irgendwelche Untersuchungsmöglichkeiten. Sind denn Lipome und Pannikulose zwei unterschiedliche Dinge?? Sind denn bei der Pannikulose auch Kapseln um das Fettgewebe?? Gibt es bei der Lipomatose nicht auch nur normales Fettgewebe?? Zumindest hat mir das mein Arzt so erklärt!! Ich weiß gar nicht mehr was ich jetzt noch machen soll!!
LG Simone

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17.03.2008, 09:36 Uhr
Antwort

Hallo Simone!

Wenn Sie meine bisher gegebenen Antworten noch einmal aufmerksam durchgehen, wird Ihnen sicher deutlich werden, wo die Unterschiede theoretisch liegen.
Es gibt bei all diesen Unterhautfettschmerzphänomenen wie immer im wirklichen Leben natürlich auch fließende Übergänge und nicht immer kann man ärztlich eine eindeutige Aussage treffen. Wichtig ist und bleibt aber: Nur bei einer gesicherten entzündlichen Erkrankung ist eine Behandlung mit Cortison indiziert. Bitte diskutieren Sie noch offene Probleme mit Ihren behandelnden Ärzten.

Viele Grüße
Dr. Sylvia Meske

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17.03.2008, 10:01 Uhr
Antwort

Liebe Fr.Dr.Meske,
nochmals lieben Dank für Ihre Informationen. Sie haben mir sehr weitergehlofen. Ich werde dann auf jeden Fall alles weitere mit meiner Ärztin besprechen!!
Liebe Grüße
Simone

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21.03.2008, 07:21 Uhr
Antwort

Liebe Fr.Dr.Meske,
ich habe da nur noch mal eine Frage zur Pannikulose. Wenn man diese hat, würde sie durch Cortison verschwinden können?? Oder gibt es da keine Medikamente für?? Bei mir sind nämlich plötzlich einige von diesen Knoten verschwunden!
LG Simone

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