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Ausstrahende Schmerzen im Handgelenk nach Karpaltunneloperation

Kategorie: Knochen-Gelenke » Expertenrat Gelenkbeschwerden/Rheuma | Expertenfrage

04.12.2004 | 09:24 Uhr

Hallo,
in der Schwangerschaft vor 14 Jahren hatte ich an beiden Händen ein Kribbeln in den Fingern 1-3. Ich habe das auf mein Gewicht und die Halswirbelsäule geschoben. Die nächsten 12 Jahre ging es nachts immer so weiter, es hat mich aber nicht so beeinflusst in der Lebensqualität, das ich einen Arzt aufgesucht habe.
Nach 5 Tagen Tapetenabkratzen unter reichlichen Schmerzen (so blöd bin ich nur einmal), die auch nicht aufhören wollten, ging ich zum Orthopäden.Überweisung zum Neurologen, Messung der Nervenleitung, Diagnose Karpaltunnelsyndrom, Operation ambulant bei einem erfahrenen Handchirurgen. Der hat das regional betäubt in seiner Praxis, aufgeschnitten, direkt in meiner Lebenslinie,5 Stiche und eine Lasche, VW und ab nach Hause mit den Worten, sie können alles machen mit der Hand, nur keinen Schmutz in die Wunde kommen lassen. Nach 4 Tagen hat er die Lasche entfernt, nach 8 Tagen die Fäden raus und wieder ab zur Arbeit. Ich habe die Hand normal benutzt. Die Schmerzen wurden dann schlimmer, MRT ergab mehrfache Ergüsse...keine Behandlung, NLG noch pathologisch. Orthopäde sagt nach 6 Monaten Schmerzen, es ist austherapiert.Nach 1 Jahr immer noch Schmerzen, NLG noch verlangsamter, dann zu einem anderen Handchirurgen, Rezidivop, massivste Vernarbungen am N.Medianus , damit das nicht wieder passiert, Fettlappenplastik.Inzwischen wurde bei dem neuem Handchir. die linke Seite gemacht, mit Plexusanästhesie und wie eine richtige Op im Saal unter absolut sterilen Bedingungen, ein Unterschied wie Tag und Nacht, auch in der Schnittführung und Nachbehandlung. Ich hatte nach einem Monat absolut keine Beschwerden mehr links, nicht mal die Narbe war empfindlich. Meine rechte Hand war nach der 2 Op 2-3 Monate Schmerzfrei, dann fingen die Schmerzen wieder an. Ich brauch nur z.B. meine Hose hochziehen und es schiesst mir elektrisierend in den Arm. In meinem Daumenballen schwindet der Muskel, ich kann den Daumen bei getreckter Hand nicht mit eigener Kraft zum Zeigefinger bewegen. Neurografie: N. ulnaris rechts: distal mot. Latenz 3 ms, F-Welle 33 ms. N. medianus mit 4,6 ms auf 6,5 cm distal, F- Welle mit 30 ms verlangsamt. Sulcussegment mit 3,9 ms auf 18 cm grenzwertig? sensible Leitgeschw. für den 2. Finger 43 ms, für den 5.Finger 40 ms. Ich habe den Eindruck, das der Neurologe keine Lust mehr auf mich hat. Er meint, meine Beschwerden sprechen nicht für ein Kompressionsyndrom. MRT der Halswirbel hat auch nichts ergeben, es liegt keine Neuropathie vor, Alkohol, Diabetes etc entfällt. Schilddrüse o.B., MS auch negativ, keine Infektionen wie Borreliose. MRT aktuell der Hand: Bild des beginnenden ulnaren Impaktionssyndroms mit beginnender zentraler Perforation des Diskus triangulares und dringendem chondralen Grad III- Defekt proximal ulnarseitig am Os Lunatum.(Hat fast jede Frau ab 50 ??)
Reizerscheinungen am N. Medianus bei allerdings auch Reizersch. am N.ulnaris im Eintrittsbereich der Loge de Guyon.
Reizzustände um die gesamte Handwurzel einschl. der Beugesehnen und insbesondere der Strecksehnenfächer...
So viel schlauer bin ich jetzt nicht. Inzwischen bin ich am linken Ellenbogen operiert, Sulcus Ulnaris Syndrom, links ist jetzt alles perfekt. Rechts habe ich weiter Schmerzen, auch im Ellenbogen, Taubheitsgefühle im kleinen Finger... Was mache ich damit?? Hoffentlich haben Sie einen Rat, ich mag nicht wirklich mehr zu einem Arzt gehen.Ich bin 43 Jahre alt, war nie krank und ziehe auch keinen Gewinn aus dieser Geschichte. Psychisch stabil, habe keine Depressionen, nur die normalen Hochs und Tiefs des Lebens...
Und ich will noch 23 Jahre arbeiten!
Mit besten Grüssen
eine Ratsuchende

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05.12.2004, 02:10 Uhr
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Hallo liebe Ratsuchende!
Ich weiß leider auch nicht, ob Sie berhaupt noch eine Chance haben, das Problem des rechten Armes zu beheben. Hier einige wichtige Fakten: Daumenballenmuskelatrophie ist immer eine Folge einer direkten Nervenschädigung, bei Atrophie ist der Nervenschaden groß und wahrscheinlich dauerhaft, der Daumen wird vom N. Medianus versorgt, der ist leider seit der 1. OP massiv geschädigt und die Folgeop konnte dies nicht mehr beheben. 2. Die Nervenmessungen ergeben eindeutig ebenso wie das elektrisierende Gefühl, daß eine Nervenschaden vorliegt, Neurologen neigen jedoch dazu, die Absolutwerte der messung wesentlich mehr zu bewerten als die individuelle Schmerzirritation, daher ist es oft so, daß die Messung ein leichtes Carpaltunnelsandrom ergibt, während die Empfindung eine schwere Beinträchtigung zeigt. 3. ich denke, weitere Abklärungen bringen nichts, eine weitere Operation aber scheint mir nun sehr kritisch, die Gegend ist so verändert und vernarbt, der Schaden wahrscheinlich nicht dauerhaft zu beheben. Daher rate ich dazu den Schmerz behandeln zu lassen und Nerv - Nerv sein zu lassen. Das machen die niedergelassenen Anästhesisten, am besten einer mit Zusatzbezeichung Schmerztherapie. Möglich ist u.U. eine Lokalinfiltration in das Nervengebiet oder eine Nervenschmerz lindernde Dauertherapie mit Gabapentin oder Pregabalin, Medikamente, die z.B. auch bei Gesichtsneuralgien sehr gut wirken können. Zudem können Sie sich natürlich überlegen, über einen Anwalt Schmerzensgeld zu erwirken suchen gegen die so wie Sie es beschreiben Folgen einer Operationstechnik mit möglicherweise nicht genügend Sorgfalt bei der ersten Operation mit eindeutig nicht den Vorgaben entsprechenden Nachbehandlungshinweisen. Ob Sie Recht bekommen ist aber fraglich und das Verfahren benötigt eiserne Nerven.
Manchmal werden Schmerzen auch besser durch Muskeldehnende Krankengymnastik und Elektrotherapie. Auf jeden Fall werden Sie ohne ärztliche Behandlung sicher keine Besserung erreichen.
Trotzdem ein frohes Nikolausfest.
Dr. S. Meske

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05.12.2004, 03:58 Uhr
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Sehr geehrte Frau Dr. Meske,
für Ihre ausführliche und alle Aspekte beachtende Antwort tausend Dank, warum gibt es so wenig Mediziner wie Sie?
Allerbeste Grüße und einen schönen Abend
Die Ratsuchende

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06.12.2004, 10:27 Uhr
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Hallo!
Hoffentlich hilft der ein oder andere Tip auch! Einen möglichst schmerzarmen Nikolaus Abend
S. Meske

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