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chronische Diarrhoe, jetzt auch nachts

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Durchfall/Übelkeit | Expertenfrage an Experte-Ohlert

17.07.2013 | 16:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Ohlert,
ich habe schon jahrelang sehr weichen Stuhl/Durchfall mehrmals am Tag. Im Okt. 2008 hatte ich eine Sigmaresektion wegen Divertikulitis, seit dieser Zeit sind meine Durchfälle schlimmer geworden. Im Frühjahr 2009 hatte ich eine bakt. Colitis deren Restzustand man bei einer Koloskopie im Juli 2009 noch erkennen konnte, die Stufenbiopsien zeigten aber keinen Hinweis auf eine CED.
Nun ist es so, dass ich seit ca. einem halben Jahr deutlich schlimmere Durchfälle (wässrig und auch nachts) habe. Was mich am meisten belastet sind die nächtlichen Durchfälle, bei denen ich sogar ab und zu ungewollt Stuhl verliere. Loperamid hilft bedingt, aber das kann doch auch keine Dauerlösung sein.
Eine Stuhluntersuchung ergab keinen pathologischen Befund.
Durch die sehr häufigen Durchfälle ist mein Kalium an oder unter der Normgrenze.
Flohsamen wurde mir empfohlen, und die nehme ich auch. Desweiteren hat mir der Nephrologe (bin dort wegen IgA-Nephritis und renaler Hypertonie) Pankreasenzyme verordnet.
Was kann ich machen, dass ich endlich wieder ein normales Leben führen kann?
Vielen Dank für Ihre Mühe.

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Experte-Ohlert
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18.07.2013, 19:26 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert


Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

Durchfälle können zahlreiche Ursachen haben. Bei kurz anhaltenden Durchfällen stehen Infektionen klar im Vordergrund. Bei Durchfällen, welche langanhaltend sind, sind Infektionen eher selten. Natürlich kann es auch chronische Infektionen geben, man denke nur an die salmonellenlose. Es ist relativ einfach, eine Infektion auszuschließen. Nicht hierbei wird eine Stuhluntersuchung durchgeführt, welche zeigt, ob neben den normalerweise im Darm vorkommenden Bakterien noch weitere Bakterien zu finden sind.
Durchfälle können aber auch andere Ursachen haben. Nicht selten führen chronisch entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel eine Colitis ulcerosa oder einen Morbus Crohn) zu Durchfallproblemen. Durch eine Darmspiegelung kann man relativ sicher ausschließen, dass eine chronisch entzündliche Darmerkrankung vorliegt. Hierbei wird eine Gewebeprobe entnommen, welche vom Pathologen untersucht wird. Absatz sind Teile des Darmes entfernt (zum Beispiel nach einer Sigma-Teilresektion), so kann es ebenfalls zu Durchfällen kommen. Gerade die letzten Abschnitt des Dickdarmes sind wichtig, um den Stuhlgang einzudicken (Wasserentzug). Fehlen hier Teile des Darmes, so beobachtet man nicht selten eine erhöhte Stuhlfrequenz bzw. deutlich weniger Konsistenz des Stuhls.

Ferner muss man aber auch an Verdauungsstörungen denken. Spontan fällt hier die Laktose-Intoleranz ein, die Fructose-Intoleranz oder die Intoleranz gegen einheimische Getreide (Glut 10-Überempfindlichkeit). Diese Erkrankungen kann man zum Teil über Blutuntersuchungen (Funktionsuntersuchungen) oder aber durch eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm nachweisen bzw. ausschließen.

Mit anderen Worten: es gibt zahlreiche Ursachen, welche eine Durchfallerkrankung hervorrufen können. Am ehesten wird man sich dieser Ursachen nähern können, wenn ein Arzt vor Ort, welche auch eine Untersuchung vornehmen kann mit der Problematik befasst wird.



Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

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19.07.2013, 07:35 Uhr
Kommentar

Sehr geehrter Herr Dr. Ohlert,
2009 hatte ich ja eine ÖGD (mit Dünndarmbiopsie) und Koloskopie, ist es dann nicht ausgeschlossen, dass man jetzt was findet?
Wegen Fructose- und Lactoseintoleranz wurden Atemteste gemacht aber ich produziere das Gas nicht.
Vielen Dank für ihre Antwort.

Experte-Ohlert
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22.07.2013, 09:52 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Kontrolluntersuchungen nach einigen Jahren können durchaus zu erstaunlichen Veränderungen der Befunde führen.

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