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Ursache für Vitamin-B12-Mangel

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Durchfall/Übelkeit | Expertenfrage

09.09.2011 | 09:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Ohlert,

ich bekomme seit ca. 6 Monaten aller 4 Wochen 1000 µg B12+Folsäure gespritzt. Nun soll ich die Ursache für den Vitamin-B12-Mangel klären lassen. Bisher wurde bei mir der Wert nicht mehr überprüft seit Feststellung des Mangels. Damals war mein Vitamin-B12-Wert 176 (Referenzbereich: 200 - 1000). Meine Hausärztin sagte damals nur, dass in den meisten Fällen der Magen (Instrinsic Faktor) die Ursache ist. Muss ich die Spritzen nun mein Leben lang bekommen? Welche Ursachen gibt es noch für einen B12-Mangel? MCV, MCH, MCHC waren in Ordnung. Fibrinogen 378 mg/dl und HST 2,5 mmol/l waren noch gekennzeichnet also nicht in Ordnung. Welche Untersuchungen müssten jetzt erfolgen, um die Ursache zu finden? Ist eine Magenspiegelung notwendig bzw. das einzige Mittel zur Wahl?
Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung meiner Fragen.
Mit freundliche Grüßen
Nicki

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Experte-Ohlert
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10.09.2011, 10:31 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine
Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier
natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird
eine Stellungnahme im Rahmen einer Internetkonsultation sicherlich
nicht gerecht. Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer
nur als Denkanstoß für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich Bücherwissen reproduziert und keinerlei individuelle Beratung
in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen. Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich
auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

ein Vitamin B. 12-Mangel wird in der Tat fast immer durch einen Mangel an intrinsic Faktor verursacht. Da die Aufnahme des Vitamins im untersten Teil des Dünndarmes stattfindet können auch Schäden dieses Teiles des Dünndarmes (zum Beispiel operativer Entfernungen) ein solchen Vitaminmangel verursachen, ohne dass ein Mangel an intrinsic Faktor vorliegt.
Durch eine Magenspiegelung kann man im Rahmen einer Gewebeprobe so genannte Parietalzellen-Antikörper feststellen, die den Mangel an intrinsic Faktor erklären. Dies ist sicherlich eine interessante Untersuchung - eine Notwendigkeit, das Vitamin in Spritzen-Form zuzuführen ändert sich aber nichts.
Da das Vitamin für die Blutbildung erforderlich ist, ist eine lebenslange Zufuhr (entweder auf natürlichem Wege über die Nahrung, wenn dies ausreichend funktionieren würde) beziehungsweise unter Umgehung des Darmes (Spritzen) erforderlich.

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10.09.2011, 11:42 Uhr
Antwort

Eine OP an Magen oder Darm hatte ich nicht. Als Jugendliche hatte ich mehrmals Eisenmangel. An meiner Ernährung kann es auch nicht liegen. Können Antikörper nicht auch mittels Blutuntersuchung festgestellt werden? Ich verstehe es also richtig, dass die Ursacheforschung nicht viel bringen wird, weil es in 90 % der Fälle am Mangel an Intrinsic Faktor liegt? Kann ich jetzt das Vorgehen der Hausärztin - also Spritze aller 4 Wochen ein Leben lang - so hinnehmen, ohne das jetzt weiter nach der Ursache gesucht werden muss? Kann Vitamin-B12 überdosiert werden?

Experte-Ohlert
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13.09.2011, 06:38 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine
Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier
natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird
eine Stellungnahme im Rahmen einer Internetkonsultation sicherlich
nicht gerecht. Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer
nur als Denkanstoß für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich Bücherwissen reproduziert und keinerlei individuelle Beratung
in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen. Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich
auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

Da ein Mangel an Intrinsicfaktor nicht ursächlich zu behandeln ist, bleibt die Therapie stets dieselbe.
Eine lebenslange Injektionstherapie mit Vitamin B. 12 ist sicherlich lästig, aber im Vergleich zu anderen lebenslange Therapieformen immer noch vergleichbar komfortabel.
eine Feststellung der Antikörper im Blut ist nicht aussagekräftig.
Eine Überdosierung von Vitamin B. 12 ist theoretisch möglich. Durch gelegentliche Blutkontrollen kann aber sichergestellt werden, dass eine solche Überdosierung nicht stattfindet. Aus allgemeiner Erfahrung heraus kann aber gesagt werden, dass eine Injektion alle vier Wochen nicht zu einer Überdosierung führt.

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13.09.2011, 10:53 Uhr
Antwort

Einen Mangel an Intrinsic Faktor kann man also nur per Magenspiegelung feststellen? Wie ist das bei Zwillingen? Meine Schwester hat einen sehr niedrigen B12-Wert 151 (untere Referenzwert = 145). Sie hatte eine Magenspiegelung. Im Befund stand, dass sie keine Typ A Gastritis hat. Von Intrinsic Faktor stand nichts. Außerdem stand noch drin: leichte Typ C Gastritis (sie nimmt seit Jahren Captopril aufgrund einer membranösen GN) und Reflux. Ich möchte keine Magenspiegelung machen, weil ich befürchte, dass bei mir die Ursache damit auch nicht gefunden wird - wir sind ja Zwillinge. Kann eine Glutenunverträglichkeit auch die Ursache für einen B12-Mangel sein?

Experte-Ohlert
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16.09.2011, 06:57 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

den intrinsic Faktor kann man nicht in der feingewebliche Untersuchung finden. Es gibt andere Kriterien, die in der feingewebliche Untersuchung zu Tage treten, welche dann auf einen Mangel an intrinsic Faktor (beziehungsweise die mangelnde Fähigkeit der Magenschleimhaut, den Intrinsicfaktor herzustellen) schließen lassen.

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21.09.2011, 09:59 Uhr
Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Ohlert,

wie verhält sich der Vitamin-B12-Spiegel nach Gabe der 4 wöchentlichen Injektionen? Steigt der Vitamin-B12-Wert dann an? Ich war beim Arzt. Nun soll der Vitamin-B12-Spiegel nach 4 Wochen nach der letzten Spritze abgenommen werden. Danach würde dann entschieden werden, ob die Spritzen dann nur noch aller 3 Monate oder noch länger notwendig sind. Ist der Wert immer noch erniedrigt, soll ich zur Magenspiegelung. Es könnte lediglich aber auch ein verübergehender Mangel sein. Gibt es das überhaupt - vorübergehend? Wie verhält sich der Vitamin-B12-Wert bei Patienten mit einem Mangel nach Gabe der Spritzen? Ich möchte eigentlich nicht auf die Gabe der Injektionen aller 4 Wochen verzichten, da dadurch meine neurologischen Symptome (Schwindel, Gangunsicherheit, kribbelnde und brennende Füße) besser geworden sind.

Experte-Ohlert
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21.09.2011, 10:05 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Die Notwenigkeit einer Vit-B-12-Gabe hängt vom Blutspiegel ab. Eine direkte Wirkung der Injektion auf etwaige Symptome ist nicht zu erwarten. Ein vorübergehender Mangel ist eher unwahrscheinlich - aber in der Medizin gilt hat, dass es auch ungewöhnliche Verläufe gibt.

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21.09.2011, 11:55 Uhr
Antwort

Durch die bisherige Injektion von Vitamin B12 müsste ja der Vitamin-B12-Wert verbessert sein (also jetzt auch im Referenzbereich liegen). Dann dürfte ich ja keine Spritzen mehr bekommen? Wie wird das denn generell gehandhabt: Vitamin-B12-Wert erniedrigt - Substitution aller 4 Wochen oder aller 3 Monate - Vitamin-B12-Wert im Normbereich also keine Spritze mehr? Irgendwie verstehe ich das nicht richtig. Bei mir soll nur der B12-Wert kontrolliert werden, weil MCH, MCHC und MCV in Ordnung waren.

Experte-Ohlert
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23.09.2011, 06:24 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

durch eine regelmäßige Substitution des Vitamin B. 12 wird eine Normalisierung des Vitamin B. 12-Spiegels im Blut erreicht. Dementsprechend sieht man keine erniedrigten Spiegel mehr. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Substitutions-Notwendigkeit nicht mehr bestehen würde.

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