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Kleine Mengen Blut im Stuhl

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Durchfall/Übelkeit | Expertenfrage

18.06.2020 | 19:37 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Problem ist folgendes: 

Ich habe seit ca. einer Woche 2 mal kleinere Mengen Blutes in meinem Stuhl gefunden. Etwas aufliegend, teilweise aber auch als kleine Art "Gelee-klumpen" im Stuhl eingearbeitet, wie eine nicht verdaute Paprika oder Tomaten Haut. 

Ich fahre seit 3 Wochen regelmäßig weite Strecken mit dem Fahrrad, alle 2 Tage so 10 Kilometer, das ist für meine Verhältnisse ein Plus von 90%. Erst kürzlich habe ich mir ein neues Rad gekauft (ungefedert, mit für mich unbequemen sportlichen Sattel (lang und schmal)), nach der ersten 20 KM Tour trat zum ersten mal diese Blutbeimengung auf. Kann es hier sein, dass die ungewohnte Belastung für meinen After zu geplatzen Gefäßen / Hämohrriden etc geführt hat, welches dies erklären würde? Der 2. Blutfund fand auch wieder beim nächsten Stuhlgang nach einer Tour statt. Im Zeitraum ohne Fahrradtour waren keine auffälligkeiten zu finden. 

Desweiteren habe ich ab und an leichte Bauchschmerzen (Stufe 1-2) jeweils Rechts und Links auf der Höhe Oberkante des Beckenknochens (also vielleicht da wo der Dickdarm-Bogen liegt). Ansonsten fühle ich mich aber Fit, keine Stuhlveränderungen oder Häufungen. 

Erstmal zu mir: Ich bin männlich, 28 Jahr und wiege 78kg. Durch eine Lebensumstellung habe ich in den letzten 4 Jahren fast 20kg verloren (keine Zuckerhaltigen Getränke mehr, mehr Sport und weniger rotes Fleisch), ich rauche nicht und mein alkohol Konsum beschränkt sich auf max. 1 Bier im Monat. 

Vor wenigen Wochen hatte ich meinen U-35 Check up, einzig mit einem hochnormalen Blutdruck als Befund, sonst alles i.o.

Ich bin seit wenigen Monaten regelmäßig bei meinem Hausarzt vorstellig, aufgrund einer Nahrungsmittel unvertzräglichkeit (Symptome: Bauchschmerzen nach großen Konsum von Weizenbrot, seit einigen Jahren ein lauteres Bauchkrummeln ähnlich Magenknurren, sowie ab und an leichte Fettstühle). Der Gluten Antikörper Test im Blut war negativ und nach Wechsel auf weniger Weizenprodukte trat eine Besserung auf. Laut meinem HA liegt wahrscheinlich eine unverträgliochkeit gegen Backtriebmittel vor. Um Besserung der restlichen Symptome zu verschaffen, Innoval gegen RDS empfohlen. 

Kurz zur Familiengeschichte: 2 meiner Tanten sind mit mitte / Ende 30 an Darmkrebs verstorben, Verwandte ersten Grades sind aber Krebsfrei. 

Ich entschuldige mich erstmal für meine lange Geschichte, hoffe aber Sie können mir einer theorie zum Thema Blut im Stuhl geben. Ich werde dies separat aber auch nochmal mit meinem HA besprechen. Vielen Dank schon mal für Ihre Mühen! 

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Bisherige Antworten
Experte-Ohlert
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26.06.2020, 07:01 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert


Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

 beim Fahrradfahren wird das kleine Becken durchaus belastet. Man weiß, dass zum Beispiel der PSA-Wert (also ein Laborwert, der mit der Prostata zu tun hat) nach dem Fahrradfahren durchaus etwas ansteigen kann. Dies zeigt, dass die mechanische Belastung der Beinbewegung, des Sattel, der Sitzposition etc. etc. Auswirkungen auf die inneren Organe des kleinen Beckens haben kann.

Darmblutungen im Sinne des Wortes, also ein Blutverlust aus den nicht direkt am afterliegenden Gewebsanteilen des Darmes, ist mir bei kürzeren Radtouren (und 10 km darf man sicherlich noch als kurz bezeichnen) nicht bekannt. Auch sind mir keine Studie bekannt, die derartiges zeigen würden.

Hämorrhoidal-Blutungen sind da sicherlich etwas anders zu bewerten. Denn durch den direkten Kontakt des Sattel zu etwaigen Hämorrhoiden kann ich mir schon vorstellen, dass es eine mechanische Belastung gibt, die eine Blutung auslöst. Zumal ja offenbar zwischen dem Radfahren und den geklagten Beschwerden in eine gut reproduzierbare Zusammenhang zu bestehen scheint.

Aber – ohne auf die ganz spezielle Situation des Antrages eingehen zu können – möchte ich als noch anfügen: Bewegung stellt ein Medikament dar. Diese etwas provokante These wurde durch zahlreiche sportmedizinische Untersuchungen immer wieder belegt. Mit anderen Worten: auch wenn vielleicht die eine oder andere sportliche Aktivität mit „Nebenwirkungen“ versehen sein mag, so überwiegen in den allermeisten Fällen die Vorteile der Bewegung gegenüber den Nachteilen ganz erheblich.
Man sollte sich also im allgemeinen nicht entmutigen lassen, wenn irgendeine sportliche Aktivität nicht auf Anhieb funktioniert bzw. mit irgendwelchen Beschwerden einhergeht. Sofern man es nicht übertreibt (und Radtouren von ca. 10 km erscheinen mir keineswegs übertrieben) wird man mit ein bisschen gutem Willen meist Wege finden, die körperliche Aktivität dennoch regelmäßig umzusetzen. Langfristig profitiert der Körper ganz enorm davon.

Wie schon oben gesagt, ist dies kein Portal zu individuellen Beratung über das Wesen von Symtomen -
das gehört in die Hand des Arztes, der Sie vor Ort untersuchungen und beraten kann. Da Ihre Frage aber
genau in diese Richtung zielt, kann ich nur anraten, einen Arzt vor Ort aufzusuchen.

 

 

 

Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

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