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Massive Darmprobleme

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Blähungen | Expertenfrage

09.01.2022 | 11:03 Uhr

Hallo liebes Expertem-Team !

Ich versuche, mich kurz zu fassen, aber das wird nicht ganz einfach.

Angefangen hat alles vor 9 Monaten mit einem Sturz. Massive Schmerzen über Monate, meine Psyche hat verrückt gespielt. Dann nach einem Umzug Ende Mai bekam ich nach der Schlepperei starke Steissbeinschmerzen und Schmerzen und Taubheitsgefühl im Oberschenkel. Im Krankenhaus wurde ein CT gemacht, ausser einer leichten Bandscheibenprotusion und Divertikeln wurde nichts festgestellt. Schmerzmittel halfen nicht. Die Schmerzen wanderten vom Steissbein über den gesamten Lendenwirbelbereich. Angeblich extrem verspannte Muskulatur. 

Nach einigen Monaten setzten zusätzlich Blähungen vor allem in linken Unterbauch ein, gefolgt von Schmerzen. Diese Schmerzen hatte ich bereits vor 7 Jahren und es wurde nichts gefunden. Nach 2 Monaten waren sie verschwunden. 

Meine Hausärztin sagt, es wären die Divertikel, verschrieb mir ein Antibiotikum und Tabletten gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Es brachte nicht wirklich viel. Zusätzlich habe ich Blut im Urin, Nierenwerte sind sehr gut, Ultraschall war auch in Ordnung. Ich habe seit Jahrzehnten eine Reizblase.

Bei der Stuhluntersuchung wurden erhöhte Calprotektinwerte festgestellt, sonst war alles in Ordnung. Ich habe darum gebeten, auch auf Darmpilz zu testen, aber das wurde nicht gemacht. 

Seltsam ist, dass, wenn ich mit abends mit einem Glas Wein auf die Couch lege, die Schmerzen nachlassen und nachts bin ich völlig symtomfrei. 

Zusätzlich wurde Polyneuropathe diagnostiziert und ich bin gut eingestellte Diabetikerin Typ 2. Ausserdem habe ich seit meiner Jugend eine Angststörung

Seit gut einer Woche fühle ich mich ausserdem krank und bin ständig müde. Alle Blutwerte waren in Ordnung. Coronatest negativ.

Ich bin mit den Nerven völlig runter, wache morgens mit Panikattacken auf und bin stundenlang am zittern. Bis zum späten Nachmittag bin ich eigentlich zu nichts in der Lage. 

Dazu kommt, dass meine Mutter vor 3 Monaten an Darmkrebs verstorben ist. Als sie die Diagnose bekam, fingen meine Darmprobleme an. Zufall oder Psyche?

Mir ist klar, dass ich zum Urologen muss und ausserdem eine Darmspiegelung machen lassen muss. Trotzdem hoffe ich, vorher noch hilfreiche Antworten zu bekommen.

Vielen Dank im voraus !

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Experte-Ohlert
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14.01.2022, 07:28 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert


Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

 in der Tat gibt es einen relativ engen Zusammenhang zwischen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes auf der einen Seite und psychischen Grunderkrankungen auf der anderen Seite. Dies bedeutet aber nicht, dass beim Vorliegen einer psychischen Erkrankung gleichsam „automatisch“ Beschwerden des Magen-Darm-Traktes als „psychisch bedingt“ abgetan werden dürfen. Auch in einem solchen Falle sollte eine solide Stufendiagnostik durchgeführt werden.

  Unter dem Begriff der „Stufendiagnostik“ wird ein stufenweises Vorgehen dahingehend verstanden, dass von relativ einfachen Untersuchungen mit wenig invasiven Charakter eine Eskalation der diagnostischen Tiefe hin zu aufwändigeren, invasiven Untersuchungen vorgenommen wird. Am Anfang könnte zum Beispiel die körperliche Untersuchung stehen, eine Blutentnahme, eine Ultraschalluntersuchung. Tiefgreifendere Untersuchungen sind dann die Spiegelungen oder Funktionsuntersuchungen.

Man kann nicht von vornherein sagen, wie die Stufen Diagnostik letztendlich aussieht. Denn die Ergebnisse der ersten Stufe entscheiden über das Vorgehen in der zweiten Stufe usw.
Wenn aber die Frage einer Divertikulitis/Divertikulose im Raum gestanden hat, wird man in der Regel um eine Dickdarmspiegelung kaum herumkommen, um die diesbezügliche Diagnostik sauber abschließen zu können. Dies sollte alles mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt einmal besprochen werden.

Wie schon oben gesagt, ist dies kein Portal zu individuellen Beratung über das Wesen von Symtomen -
das gehört in die Hand des Arztes, der Sie vor Ort untersuchungen und beraten kann. Da Ihre Frage aber
genau in diese Richtung zielt, kann ich nur anraten, einen Arzt vor Ort aufzusuchen.

 

 

 

Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

 

 

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16.01.2022, 10:53 Uhr
Antwort

Vielen Dank für Ihre Antwort !

Die Schmerzen wurden mittlerweile so stark, dass meine Hausärztin mich ins Krankenhaus eingewiesen hat. Dort wurde ein CT mit KM gemacht. Weder im Darm noch in der Blase wurde irgendetwas gefunden. Eine gynäkologische Untersuchung brachte auch keinen negativen Befund.

Blut und Urin waren in Ordnung.

Ich bekam zwei Tage Tropfs mit Antibiose und Schmerzmitteln. Gestern wurde ich entlassen und zuhause fingen die Schmerzen gleich wieder an.

Der Arzt im Krankenhaus schloss psychosomatische Ursachen nicht aus.

Die Darmspiegelung habe ich erst in 4 Wochen, muss das vorverlegen, so lange halte ich die Schmerzen nicht aus.

Experte-Ohlert
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18.01.2022, 07:31 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Vielen Dank für die Ergänzung. Schön, dass nichts schlimmes gefunden worden ist. Gut, dass die weitere Diagnostik nun läuft.
Gute Besserung
Dr. Ohlert

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07.02.2022, 12:12 Uhr
Kommentar

Ich hatte inzwischen eine Blasenspiegelung, weil ich ja auch Brennen und Schmerzen in der Blase habe. Ausser einer leichten chronischen Blasenentzündung wurde nichts gefunden.

Ich habe ja das Gefühl, dass irgendwie alles zusammenhängt, meine Bauch,- Rücken und Blasenschmerzen.

Jetzt soll ich nächste Woche meine Darmspiegelung bekommen, möchte aber vorher noch mit dem Gastroenterologen abklären, ob nicht auch ein Darmpilz in Frage kommen könnte und man das vorher untersuchen könnte. Meine Hausärztin hatte ich schon vor einigen Wochen danach gefragt, aber sie hat die Untersuchung verweigert.

Ich komme auf diesen Gedanken, weil ich ausser den Bauchschmerzen vor einigen Wochen noch einen massiven Mundsoor hatte, Krankheitsgefühl, Brennen und Jucken an After und Scheide, Heisshunger auf Süssigkeiten und ein starker Blähbauch

Ich habe gelesen, dass Ärzte generell nicht gerne Darmpilztests machen, weil diese sehr teuer sind ? Kann ich darauf bestehen ? 

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07.02.2022, 12:53 Uhr
Kommentar

Inwieweit ist eigentlich der Spucktest aussagekräftig ? Ich habe ihn jetzt dreimal gemacht, heute das letzte Mal. Der Speichel ist komplett auf den Boden des Glases gesunken und lag dort als weisse Flöckchen.

Experte-Ohlert
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09.02.2022, 17:58 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert

Ob  der Nachweis von Pilzen im Stuhl tatsächlich einen pathogenen Wert hat beim ansonsten immunkompetenten Menschen ist eher fraglich. Daher sind ärztlicherseits initiierte Untersuchungen des Stuhls auf Pilze auch in der Tat wenig verbreitet.
„Bestehen“ auf irgendetwas kann man nur, wenn es medizinisch sinnvoll ist. Das ist aber im vorliegenden Fall gerade nicht wirklich sicher.
Gegebenenfalls kann es als Selbstzahlerleistung erworben werden. Aber: wie gesagt ist es eine eher fragliche Indikation.

Hinsichtlich des angefragten Spuck-Test kann ich keine weitere Auskunft geben.

Beste Grüße
Dr. Ohlert

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