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Kortison bei Allergien und überempfindlichen Bronchien

Kategorie: Allergien » Expertenrat Allergie | Expertenfrage

13.03.2017 | 17:55 Uhr

Hallo,

ich habe eigentlich "nur" eine Gräserpollenallergie (dachte ich), aber ich habe trotzdem schon seit Monaten Schnupfen und die Nase zu. Also bin ich zum HNO-Arzt. Der hat festgestellt, dass ich wohl noch auf Hausstaub reagiere. Nun hat er mir Nasonex aufgeschrieben. Er meinte ich solle es dauerhaft nehmen. Ist das mit dem Kortison nicht etwas heftig? Macht das nicht Übergewicht und Osteoporose?

Ich habe im Sommer immer das Problem, dass ich bei frisch gemähten Wiesen einen tierischen Husten entwickele und ich schlechter Luft bekomme. Ich war vor 2 Jahren beim Lungenarzt und der stellte eine schwere bronchiale Überempfindlichkeit im Provokationstest damals fest. Das Flutide-Spray habe ich aber nicht lange angewendet. Meinen Sie ich muss die Bronchien behandeln? Könnte ich dann auch in der Pollenzeit wieder draußen walken gehen?

Vielen Dank im Voraus und viele Grüße

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Experte-Barczok
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16.03.2017, 16:17 Uhr
Antwort von Experte-Barczok

Hallo,

leider ist die von Ihnen geschilderte Problematik typisch für viele andere Verläufe, mit denen ich immer wieder zu tun bekomme. Sie haben ein beginnendes allergisches Asthma. Typischerweise beginnt so etwas mit Nasen und Augenproblemen, später kommen dann die Bronchien hinzu. Man bekommt Husten, manchmal ein bisschen Atemnot, irgendwann pfeift es und am Schluss hat man ein saftiges Asthma. Ist es dann mal so weit, dann dauert es meist nicht lange, bis dauerhafte Beschwerden bestehen und die Atemwege auch entsprechend geschädigt werden. Zu diesem Zeitpunkt ist es dann kein Thema mehr, ob man Medikamente nehmen soll oder nicht, das Thema ist vielmehr, dass auch mit Medikamenten dann Dauerschäden nur noch teilweise behoben werden können. Jetzt bestünde die Chance, diesen ganzen Verlauf zu vermeiden, indem man rechtzeitig eingreift. Sie werden erleben, dass Jahr für Jahr die Pollen unterwegs sind, es hilft also nichts, zu hoffen dass es vielleicht im nächsten Jahr anders sein wird, es sei denn sie bewerben sich für einen Job in Tunesien oder Ägypten, wo es zuverlässig keine Pollen gibt. Die Alternative ist, genau zu klären, welche Allergie vorliegt und dann den Körper an das Allergen zu gewöhnen (Hyposensibilisierung) oder aber in der Pollenzeit eine vorbeugende Therapie mit entzündungshemmenden, antiallergischen Substanzen durchzuführen, die in der Tat vom Cortison abgeleitet sind, im Unterschied zu Cortisontabletten oder Cortisonspritzen aber nicht in nennenswerter Menge in den Körper gelangen, langfristig problemlos genommen werden können und all die Nebenwirkungen, die Sie offensichtlich befürchten, nicht besitzen. Leider ist der Alltag, dass aus nicht notwendiger Sorge vor nicht vorhandenen Nebenwirkungen die realen Nebenwirkungen des Pollenflugs für ihre Schleimhäute nicht behandelt werden und das ganze sich in den nächsten Jahren entsprechend weiter entwickeln wird. Ich kann ihn daher nur raten, dem Vorschlag ihres HNO-Arztes zu folgen und im Übrigen auch ein vorbeugendes Spray für die Bronchien zu nehmen, falls die Gräser in diesem Bereich ebenfalls zuschlagen sollten.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Barczok

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17.03.2017, 07:21 Uhr
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Hallo,

ich wusste nicht, dass sich das beginnende Asthma durch die Allergien so schlimm weiterentwickeln kann.

Ich habe die letzten Tage das Nasonex angewendet. Die Nase wird freier, ich habe aber noch ziemliche Niesanfälle. Ich hatte letzte Nacht, das erste mal nachts einen Hustenanfall mit Engegefühl in der Brust. Kann das von diesem anfänglichen Asthma kommen?  Der Lungenarzt bei uns hat eine offene Sprechstunde. Da werde ich mal hingehen. Wie ist das eigentlich, darf ich jetzt noch Sport treiben? Ich bin das Schwimmen so gewöhnt, aber das Chlor reizt eben die Atemwege. Habe dannach immer stundenlang Husten. Meinen Sie es ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich Sprays wie Flutide (das ich schonmal verschrieben bekommen hatte) anwenden soll?

Vielen Grüße

Experte-Barczok
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19.03.2017, 15:44 Uhr
Antwort von Experte-Barczok

Hallo,

wenn Ihre Schleimhäute ausreichend behandlet und geschützt sind, macht Ihnen Sport nichts mehr aus. Sie können und sollen Sport treiben, aber vorher Ihre Schleimhäute schützen, zB mit Nasonex oder auch Flutide (wenn es nocht verwendbar ist und aktuell von Ihrem Arzt für richtig gehalten wird.)

mfG

Dr. Barczok

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19.03.2017, 17:03 Uhr
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Hallo,

ist das immer eine Dauertherapie mit den Kortisonsprays? Ich war bei meinem Arzt und der meinte ich soll wieder Flutide nehmen und soll vor dem Sport und bei Atemproblemen Salbutamol inhalieren. Nasonex soll ich weiternehmen.

Macht das Sinn vor dem Sport schon was zu nehmen? Sollte man den Sport nicht besser meiden?

Ich war bei der Lungenfunktion. Was bedeutet "leichte obstruktive Ventilationsstörung"? Ist das nicht gut und muss man das behandeln?  Ich war schon ewig davor nicht mehr bei der Lungenfunktion.

Viele Grüße

Experte-Barczok
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19.03.2017, 18:32 Uhr
Antwort von Experte-Barczok

Hallo,

je inkonsequenter und lückenhafter eine vorbeugende Therapie durchgeführt wird, desto größer ist das Risiko, dass die Therapie über einen längeren Zeitraum notwendig ist. Betreibt man keinen Sport, werden die Schleimhäute noch empfindlicher, die Muskulatur noch weniger belastbar und das ist weder gewünscht noch sinnvoll. Noch einmal, es ist einfach nicht sinnvoll, aus Angst vor nicht vorhandenen Nebenwirkungen die Nebenwirkung einer unbehandelten Asthmaerkrankung oder eines Lebens ohne Sport in Kauf zu nehmen. Begriffe wie „leichte oder schwere Ventilationsstörung" sind wenig aussagekräftig. Sie beschreiben klare Beschwerden, die für ein nicht ausreichend behandeltes Asthma sprechen, dass deswegen behandelt werden muss.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Barczok

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22.03.2017, 12:42 Uhr
Antwort

Hallo,

ich war jetzt beim Lungenarzt und sagte die Lungenfunktion wäre nicht so gut. Ich soll jetzt Foster 200/6 nehmen. Ist das nicht etwas zu stark? Ich habs mal inhaliert und das wirkt irgendwie besser als Flutide. Haben Sie eine Idee warum?

Der Lungenarzt war der Meinung ich hätte noch nicht lange Asthma und da wäre eine Normalisierung der Lungenfunktion wichtig. Aber hat man mit Asthma nicht immer eine schlechte Lungenfunktion?

Viele Grüße

Experte-Barczok
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26.03.2017, 20:51 Uhr
Antwort von Experte-Barczok

Hallo

Ihre Fragen drehen sich auch weiterhin immer um die gleiche Problematik. Soll ich die verordneten Medikamente nehmen oder sind sie nicht zu stark bzw. ist es nicht sowieso sinnlos, weil man mit Asthma immer eine schlechte Lungenfunktion hat? Gerne möchte ich nochmals klar und deutlich abschließend dazu zweierlei sagen: zum einen hat man nur dann bei Asthma immer eine schlechte Lungenfunktion, wenn man keine Medikamente nimmt. Wird Asthma gut behandelt, kann man damit in aller Regel beschwerdefrei mit hoher Lebensqualität leben wie jeder andere auch. In der Tat muss man dazu aber zweitens mitunter Medikamente einsetzen, die es Gott sei Dank bei diesem Krankheitsbild in einer leicht inhalierbaren Form gibt, die in aller Regel bei richtige Einnahme auch keine unerwünschten Effekte entwickeln. Der vorbeugende Cortisonanteil von Foster ist dem schon Ihnen schon bekannten Flutide sehr ähnlich. Dass sie es als besser wirksam erleben, liegt daran, dass in diesem Fall auch ein bronchienerweiterndes Medikament mit dabei ist, was wiederum zeigt, dass ihre Bronchien in der Tat verengt und deshalb behandlungsbedürftig sind. Also noch mal: Bitte nehmen Sie Ihre Medikamente und vertrauen Sie darauf, dass diese Therapie Ihnen optimal hilft und nicht schadet.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Barczok

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