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An Dr. Leidel

Kategorie: Infektionen » Expertenrat Infektions- und Reisemedizin | Expertenfrage

28.11.2021 | 12:10 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Leidel,

ich mach mir einige Gedanken und habe daraufhin eine Angst entwickelt bezüglich der Masern und ihrer Spätkomplikation. Meine Tochter ist im Januar 2018 geboren. Die ersten 2 Jahre haben wir im Ausland gelebt, wo es in 2017 und 2018 leider wieder Masern Ausbrüche gab. Mein Kind ist gegen alles geimpft was die STIKO empfiehlt. Allerdings werden die kleinen gegen MMR ja erst mit 11 Monaten das erste Mal geimpft. Davor als sie ca 9 Monate alt war, hatte sie plötzlich 3-4 Tage sehr hohes Fieber, und danach für 1-2 Tage einen blassen Ausschlag an Kopf und Rumpf. Sehr wenig und vereinzelt. Die Ärztin nahm Blut, Urin ab und versicherte uns dies seien auf keinen Fall Masern zumal wir nirgendwo mit dem Kind aus Angst vor Masern hingegangen sind, und nur auf unserem Grundstück bzw Garten aufgehalten haben und es momentan laut ihr keine Ausbrüche in der Stadt gab. Sonst hatte sie keine anderen Symptome. Sie meinte es sei das 3 Tage Fieber. Damit war das für mich erledigt.

Jetzt habe ich zufällig von stillen bzw mitierten Masern gelesen und das diese SSPE verursachen können. Der Satz vom Rki hat mich beruhigt aber auch zugleich beunruhigt. Sprich, sehr selten und nur bei Neugeborenen und durch Antikörper Substitution können mitierte Masern auftreten. 

Ich wurde im Septmber 2016 aufgrund von eines Bisses gegen Tollwut geimpft. 5 mal inklusive passive Impfung. Kurz vor meiner Schwangerschaft ließ ich meine MMR Titer bestimmen, weil ich meinen alten Impfpass nicht finden konnte und kein Risiko in der Schwangerschaft eingehen wollte.

meine Werte waren entsprechend hoch, so dass ich mich frage ob das etwas mit der passiven Impfung zu tun haben kann, die ich 4 Monate (Februar 2017)vor meiner beginnenden Schwangerschaft (April 2017) bekommen habe und ob diese abnormalen hohen Antikörper an mein Kind weitergegeben wurden (schwanger April 2017, Geburt Janur 2018) und es dadurch evtl diese stillen Masern anstatt das 3 Tage Fieber waren? Das macht mir Angst dass es eine nicht bemerkbare Masern Infektion war. Es war alles so untypisch für eine echte Masernerkrankung (3 Tage Fieber, keine anderen Symptome, kurzer blasser Aufschlag, Kind fit). Ich habe so Angst davor, dass es die stillen Masern waren und es dadurch zu SSPE kommen könnte. Ich komme nicht zur Ruhe vor Sorgen. 

Ich sage mir selbe auch, es waren keine stillen Masern da wir zu der Zeit absolut keinen Kontakt mit anderen hatten und es eigentlich unmöglich ist und es definitiv das 3 Tage Fieber war, aber eine Restangst in meinem Kopf sagt WAS WENN! Es beunruhigt mich dass der Aufschlag auch etwas an der schläfe, Kopfhaut und Nacken war, aber laut Internet dieser meistens nur am Rumpf bei diesem 3 Tage FiEber auftrit. 

hier sind noch meine abnormalen Werte. Denken Sie die Antikörper könnten nach dieser Zeit bei meiner Tochter als sie 9 Monate alt war noch vorhanden Sein und dadurch diese stille Masern?

Parotitis IGG 1500 ist mein Wert. Negativ: <230

Röteln IGG 169 ist mein Wert. >10 Immunitä anzunehmen.

Masern IGG 9800 ist mein wert. negativ >150.

das sind doch keine normalen Werte? Haben Diese mit der passiven Impfung 4 Monate später zu tun? Ich habe so Angst vor dieser SSPE. Ist diese wirklich so selten? Können Sie mich beruhigen und aufklären?

ICH DANKE IHNEN VIELMALS

Mit freundlichen Grüßen 

Anastasia

 

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28.11.2021, 12:14 Uhr
Antwort

Verzeihung korrektur. Ausschlag und nicht Aufschlag.

Die Ärztin meine es sei definitiv ein Viurs aber keine Masern. Das 3 Tage Fieber habe ich dann selber anhand der Symptome und später mit unserem Kinderarzt (nach meinem erzählen) vermutet bzw. diagnostiziert.

Experte-Leidel
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28.11.2021, 15:45 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Anastasia80,

gerne würde ich Ihnen Ihre Angst etwas nehmen.

Das 3-Tage-Fieber wird durch Viren aus der Familie der Herpesviren (HVH 6) verursacht. Es ist sehr typisch und Sie beschreiben es sehr gut. Man kann es leicht von mitigierten Masern unterscheiden und wenn die Ärztin Blut abgenommen hatte, hatte sie ja wahrscheinlich auch die Antikörper gegen HVH 6 bestimmen lassen. Aber auch wenn nicht, ist die Diagnose eigentlich leicht und sicher zu stellen.

Das Hyperimmunglobulin bei Ihrem postexpositionellen Tollwut-Schutz  enthält gezielt große Mengen an Tollwut-Antikörpern. Masern-Antikörper sind darin zwar auch vorhanden. Aber nicht in solchen Mengen, dass diese nach vier Monaten noch in hoher Konzentration vorhanden sein könnten. 

Also: Mit großer Sicherheit hatte Ihre Tochter keine mitigierten Masern, sondern ein 3-Tage-Fieber durch HVH6. Sie haben ihr offenbar einen guten Nestschutz mitgegeben, weshalb sie vor der impfung wohl keine wie auch immer geartete Maserninfektion durchgemacht hat. Dies bedeutet, dass ein Risiko für eine SSPE mit großer Sicherheit nicht besteht.

Ich wünsche Ihnen und ihrer Tochter eine gute gesundheit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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28.11.2021, 16:51 Uhr
Antwort

Guten Tag Herr Dr. Leidel,

vielen Dank für die ausführliche Antwort, es beruhigt sehr. Dürfte ich noch einige Fragen stellen, wenn Sie erlauben.

ist es denn üblich solche hohe Titer bzw Antikörper zu haben wie ich? Woher stammen diese? 2 MMR Impfungen habe ich mir danach (nach dem Bluttest) aus Sicherheit (und vor der geplanten Schwangerschaf) trotzdem geben lassen. Ich wusste nicht mehr ob ich als Kind beide Impfungen erhalten habe. Ich bin 1980 geboren.

Meine Angst ist, dass ich meinem Kind so hohe Antikörper mitgegeben habe, dass diese erst recht eine mitigierte Maserninfektion hervorgerufen haben. Oder ist das wirklich unwahrscheinlich?

einen Bluttest bei meinem Kind speziell auf das 3 Tage Fieber oder Masern gab es nicht, es war lediglich ein Blutbild

Ist die Wahrscheinlichkeit bezüglich SSPE groß? Auf der einen Seite denke ich mir, das alle die vor 1970 geboren wurden keine Impfung erhalten haben und alle die Masern überlebt haben. Auf der anderen Seite frage ich mich ob damals wirklich so viele unter 1 Jahr erkrankt sind, da dies ein großer Risikofaktor ist.

Ist es bei einer passiven Impfung denn so, dass nur die Antikörper gegen die gegen die Krankheit schützen sollen (Tollwut) gefiltert werden? oder wie funktioniert dieses Prinzip?

es tut mir leid, wenn ich Sie mit meinen Fragen so einnehme aber ich wüsste nicht wer mir hier ansonsten weiterhelfen könnte. Sie sind der Experte und Ihre Einschätzung kann mir nur helfen.

danke und ein schönen Sonntagabend noch Ihnen und Ihrer Familie. Bleiben Sie alle gesund!

 

 

 

Experte-Leidel
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29.11.2021, 10:38 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag Anastasia80,

wie hoch war denn die Konzentration an Antikörpern. Und wieso haben Sie sich nach dem Ak-Test, der nach Ihren Angaben ja Immunität anzeigte, doch noch zweimal impfen lassen. Diese Impfungen dürften wegen eines hohen (?) Antikörpertiters ja kaum angegangen sein. 

Wenn Sie Ihre Tochter mit 11 Monaten haben impfen lassen, hatte sich der "Nestschutz" durch die mütterlichen Antikörper aller Wahrscheinlichkeit nach selbst bei einem initial hohen Titer deutlich abgeschwächt haben. Ich sehe überhaupt keinen Grund, weshalb das diagnostizierte 3-Tage-Fieber in Wirklichkeit mitigierte Masern gewesen sein sollte. Zumal da ja nach Ihren Angaben überhaupt kine Masernexposition stattgefunden hatte.

Humane Hyperimmunglobuline werden dadurch hergestellt, dass Freiwillige durch häufig wiederholte Impfungen (in diesem Fall Tollwutimpfungen) sehr hohe Antikörperspiegel erreichen. Das Plasma dieser spender wird dann gewonnen und gereinigt. Natürlich können da auch einige humane masernantikörper enthalten sein. Aber nicht von Ungefähr handelt es sich ja um sog. Hyperimmunplasman gegen bestimmte Krankheiten: Tollwut, Tetanus usw.

ich weiß nicht, ob Ihre Fixierung auf dieses eine Risiko tatsächlich noch eine "Angst" darstellt oder ob sich daraus nicht vielleicht eine zwanghafte Störung entwickelt hat. Haben Sie einmal über eine Therapie nachgedacht?

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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29.11.2021, 11:00 Uhr
Antwort

Guten Tag Dr. Leidel,

dies waren die Werte:

Parotitis IGG 1500 ist mein Wert. Negativ: <230

Röteln IGG 169 ist mein Wert. >10 Immunitä anzunehmen.

Masern IGG 9800 ist mein wert. negativ >150.

ich habe mir dir 2 MMR Impfungen danach geben lassen weil ich verunsichert war ob diese durch das 4 Monate vorher gespritzte Tollwut Immunoglobulin verfälscht sein könnte. Ich wollte da auf der sicheren Seite sein und kein Risiko in der Schwangerschaft eingehen. 

Daher meine Angst ob mein Kind durch mich eventuell zu viele Antikörper bekommen hat, und dies evtl. eine leichte Fodm von Masern gezeigt hat. 

das heißt 4 Monate vor der Schwangerschaft die passive Impfung, dann 9 Monate Schwangerschaft und nochmal 11 Monate bis mein Kind 11 Monate alt war. 

Ich hoffe sehr dass meine Tochter durch meine Antikörper geschütztt war und es niemals zu einer Masernansteckung gekommen ist. Nur habe ich von diesen mitigierten Masern gelesen und habe angst dass dass es nicht von der Ärztin bemerkt wurde, weil diese ja einen harmlosen Verlauf hat und nicht den typischen Masernverlauf haben. ich hoffe so sehr dass es nur das 3 Tage Fieber war. Ich habe so sehr Angst vor dieser SSPE Erkrankung!

Experte-Leidel
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29.11.2021, 15:14 Uhr
Antwort von Experte-Leidel

Guten Tag nochmal,

ich kann nur nochmal wiederholen, dass ich die Diagnose "3-Tage-Fieber" für hochwahrscheinlich, Ihren Verdacht auf SSPE für äußerst unwahrscheinlich halte. Der damalige Masern-IGG-Titer ist hoch, aber nicht exorbitant und außerfem überhaupt kein Beleg dafür, dass die Diagnose "3-Tage-Fieber" falsch wäre. 

Sie haben ja sicher Ihre Sorgen auch mit Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt besprochen. Und ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass er bzw. sie Ihre Sorge für begründet gehalten hat.

Ich wünsche ihnen alles Gute und würde mich freuen, wenn Ihre Tochter unbeschwert von den Sorgen der Mutter aufwachsen könnte.

Und damit würde ich diesen Mail-Wechsel gerne beenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Jan Leidel

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