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Exokrine Pankreasinsuffizienz

Kategorie: Magen-Darm » Expertenrat Durchfall/Übelkeit | Expertenfrage

03.04.2022 | 18:14 Uhr

Sehr geehrte Dame,

sehr geehrter Herr,
 
ich bin 50 Jahre alt und leide seit dem man mir vor 25 Jahren die Gallenblase entfernt hat, immer wieder an Durchfällen direkt nach dem Essen, auch schleimige Stühle sind keine Seltenheit, aber auch Phasen mit normalem Stuhlgang. Seit etwa einem Jahr aber leide ich immer wieder an Übelkeit, zwischendurch macht mein Magen nach ein paar Bissen zu und ich muss mich übergeben. Auch verspüre ich immer wieder mal einen drückenden, teils brennenden Schmerz im Oberbauch, aber nicht stark. Seit einiger Zeit ist ein drückender Schmerz im linken Oberbauch dazugekommen. Mittig zwischen dem Solarplexus und dem Bauchnabel verspüre ich bei Druck auf die Stelle einen starken Schmerz. Ebenfalls stark schmerzt, wenn man drückt, der linke Unterbauch. Seit Weihnachten habe ich fast 5 Kilogramm Körpergewicht verloren, meine Stuhlfarbe ist, unabhängig davon, was ich esse, immer mal wieder zwischen hellbraun und orange. In den letzten Tagen ist der Durchfall extrem schleimig.
 
Anfang der Woche war ich beim Arzt, der meinen Bauch mit Ultraschall untersucht hat, lt. ihm alles unauffällig, Leber, Milz, Pankreas. Auch die Blutwerte sind, ich habe sie nicht gesehen, laut meinem Doc in Ordnung. Allerdings hat der Elastasewert (auch diesen hat man mir nicht mitgeteilt) der Stuhlprobe ergeben, dass ich an einer exokrinen Pankreasinsuffizienz leide. Auf meine Nachfrage hin, was die Ursache sein könnte, antwortete er „schwierig, vielleicht irgendeine Entzündung“. Er ist wirklich ein aufmerksamer, kompetenter Arzt, aber diese Antwort hat mich nicht wirklich zufriedengestellt, eher im Gegenteil, sie hat mich extrem verunsichert. In der Stuhlprobe ist auch Blut festgestellt worden, sodass ich eine Kolonoskopie machen soll, hier warte ich noch auf einen Termin. Aufgrund des Elastasewertes hat er mir Kreon 25.000 (100er Dose) aufgeschrieben, davon soll ich 3 x täglich zu den Mahlzeiten eine nehmen. 
 
Überrascht hat mich ein Laborbericht aus dem Jahr 2019, auf dem mein Lipasewert mit 62 angegeben war, darauf angesprochen wurde ich damals nicht.
 
Jetzt quält mich die Frage, ob die Möglichkeit besteht, dass meine exokrine Pankreasinsuffizienz durch ein Pankreaskarzinom verursacht wurde. Wie gesagt, Ultraschall war unauffällig.
 
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Experte-Ohlert
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05.04.2022, 18:16 Uhr
Antwort von Experte-Ohlert


Sehr geehrte Anfragerin,
sehr geehrter Anfrager,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte. Zunächst aber eine Vorbemerkung: Es erscheint mit wichtig darauf hinzuweisen, dass ich hier natürlich nur ganz allgemein zu den aufgeworfenen Themen Stellung beziehen kann.
Der Komplexität des Krankheitsbildes eines jeden einzelnen Patienten wird eine Stellungnahme im Rahmen einer "Internetkonsultation" sicherlich nicht gerecht.
Bitte verstehen Sie daher meine Ausführungen auch immer nur als "Denkanstoß" für die weiteren Gespräche mit Ihren behandelnden Ärzten.
Es wird letztlich "Bücherwissen" reproduziert und keinerlei individuelle Beratung in Bezug Ihr Krankheitsbild vorgenommen.
Dies wäre nach der Berufsordnung nämlich auch gar nicht zulässig.

Nun aber zu Ihrer Frage:

 eine exokrine Pankreasinsuffizienz (also eine Bauchspeicheldrüsen Schwäche, die sich in einer verminderten Abgabe von Bauchspeicheldrüsen-Enzymen in den Darm manifestiert) entsteht zumeist im Gefolge einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Insofern ist die Aussage, dass „irgendeine Entzündung“ die Ursache der exokrinen Pankreasinsuffizienz ist durchaus richtig.

Die Lipase ist ein Stoff, welcher aus den Bauchspeicheldrüsen Zellen in das Blut übergeht. Die Lipase ist zum Beispiel bei akuten (!!) Entzündungen erhöht. Bei einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann sie völlig normal sein. Ein normaler Lipase-Wert schließt eine chronische Entzündung nicht aus.
Die pankreatischen Elastase hingegen ist ein Enzym, welches von der Bauchspeicheldrüse in den Darm ausgeschüttet wird und im Stuhl gemessen werden kann. Sie gilt als recht zuverlässiges Maß für die Enzym-Aktivität der Bauchspeicheldrüse.
Die beschriebenen Probleme sind nicht typisch für das Vorliegen eines Bauchspeicheldrüsen-Karzinoms. Es kann natürlich auch nicht ausgeschlossen werden. Denn eine klassische, typische Symptomatik eines Bauchspeicheldrüsen Karzinoms besteht letztlich nicht.
 

Wie schon oben gesagt, ist dies kein Portal zu individuellen Beratung über das Wesen von Symtomen -
das gehört in die Hand des Arztes, der Sie vor Ort untersuchungen und beraten kann. Da Ihre Frage aber
genau in diese Richtung zielt, kann ich nur anraten, einen Arzt vor Ort aufzusuchen.

 

 

 

Besten Gruss

Dr. Peter Ohlert

 

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